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Vorschau: 24 Stunden von Le Mans, 12. - 13. Juni 2010, Teil 2
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Le Mans 2010 ist Highlight und Herausforderung für Michelin

Für Reifenhersteller Michelin stellen die "24 Stunden von Le Mans" das absolute Saisonhighlight dar. Wenn am kommenden Wochenende die 78. Auflage des legendären Rennens startet, liegt bereits ein wahrer Vorbereitungs-Marathon hinter der Rennabteilung der Premiummarke. Wir schildern Entwicklung, Logistik und Herausforderungen von Michelin rund um das berühmteste Langstreckenrennen der Welt.

Die Vorbereitung auf die "24 Stunden von Le Mans" 2010 begann exakt vor einem Jahr mit Beginn des freien Trainings auf dem "Circuit de la Sarthe" im Juni 2009. Denn da der Rennkurs überwiegend aus öffentlichen Landstraßen besteht, über die den Rest des Jahres der Berufsverkehr rollt, muss während der Rennwoche in Le Mans jede Minute zum Testen und Datensammeln genutzt werden. "Von Juni bis Oktoberentwickeln wir die Reifen für das nächstjährige Rennen. Im November organisiert Michelin dann einen umfangreichen Test mit den wichtigsten Partnerteams, um die Neuentwicklungen zu bewerten und die Auswahl einzuengen", erklärt Serge Grisin, Leiter der Automobilsport-Aktivitäten bei Michelin Competition. "Im ersten Quartal des Jahres nehmen wir bei privaten Testfahrten die letzten Anpassungen vor. Und natürlich nutzen wir auch die Erkenntnisse der Frühjahrsrennen der beiden Le-Mans-Serien sowie der 12 Stunden von Sebring. Auf Basis dieser ganzen Daten legen wir unsere Reifenpalette fest und beginnen mit der Produktion."


Gefragte Spezialisten: Michelin stellt jedem Rennstall Techniker zur Seite, die für perfektes Material und optimale Strategie sorgen.



Michelin tritt mit komplett erneuerter Reifenpalette an
"Es wäre undenkbar, mit den Vorjahresreifen in Le Mans anzutreten", betont Grisin. "Unsere Partner entwickeln ihre Fahrzeuge von Jahr zu Jahr weiter und stimmen sie immer akribischer ab. Es ist Teilunserer Philosophie, die Rennställe bei diesen Änderungen immer zu unterstützen." 2010 schlägt Michelin ein ganz neues Kapitel der Zusammenarbeit auf: Erstmals erhalten die einzelnen Top-Teams maßgeschneiderte Reifen, die sich jeweils leicht von denen der anderen Michelin Partner unterscheiden.

Die erneuerte Reifenpalette umfasst für die vier Klassen LMP1, LMP2, LMGT1 und LMGT2 jeweils vier Typen:

1. Slicks für trockene Fahrbahn stellt Michelin in den Laufflächenmischungen weich, mittel und hart zur Verfügung. Die Option "Soft" wird während der kühleren Nachtstunden sowie voraussichtlich beim Start und im Finish eingesetzt. Neuerung in der Kategorie LMGT2: Porsche, Ferrari und Corvette erhalten breitere Vorderreifen als in den Vorjahren.

2. Intermediates, die exklusiv für Le Mans produziert werden. Diese Mischbereifung ist dort unverzichtbar, denn der über 13 Kilometer lange Kurs ist bei leichten Regenfällen oft nur teilweise feucht. Der Reifenaufbau der Le-Mans-Intermediates ist identisch mit dem der Slicks, sie unterscheiden sich nur durch die Profilierung.

3. Regenreifen für durchgehend nasse Fahrbahn hat Michelin für 2010 komplett neu entwickelt. Konstruktion und Architektur wurden so abgeändert, dass die Regenreifen nun in einem breiteren Fenster funktionieren. Sie bieten auch auf abtrocknender Fahrbahn ausreichenden Grip und halten deutlich länger als die Vorgänger-Generation. Dank dieser Charakteristik können die Partnerteams von Michelin bei kurzen Schauern theoretisch einen Boxenstopp einsparen. Bei Bedarf schneiden die Techniker des Reifenherstellers das Profil nach, sodass die Pneus auch bei starkem Regen und auf der Fahrbahn stehendem Wasser funktionieren.

4. Qualifying-Reifen. Diese sehr weichen Slicks ermöglichen theoretisch die schnellsten Rundenzeiten, sie werden in Le Mans jedoch immer seltener eingesetzt. 2008 und 2009 wurde die Qualifying-Bestzeit jeweils mit Rennslicks statt mit Qualifiern erzielt.

Die optimale Arbeitstemperatur der Slick-Reifen liegt zwischen 80 und 100°C in der Lauffläche. Die Regenreifen funktionieren zwischen 40 und 50°C am besten. Bis zu ihrem Einsatz am Auto werden die Pneus mit Reifenwärmern auf rund 80°C vorgeheizt.

Bei den 24 Stunden von Le Mans stellt Michelin jedem Partnerteam einen eigenen Techniker zur Seite. Gewöhnlich arbeitet dieser Spezialist sogar das ganze Jahr über mit "seinem" Team zusammen - und zwar bei Tests und Rennen. Seine Aufgabe ist es, das korrekte Vorwärmen sicherzustellen, die Reifensätze zu managen sowie Abrieb, Luftdruck und Temperatur der benutzten Pneus zu überwachen. Der Techniker steht im ständigen Austausch mit Teammitgliedern und Fahrern und berät sie in puncto Strategie und Reifenwahl. Nicht zuletzt stellt er auf Basis seiner fundierten Erfahrung bei kniffligen Mischverhältnissen den optimalen Luftdruck der Rennreifen ein.


Grip-Garanten: Die Mannschaft von Michelin versorgt in Le Mans 34 Starter und hat rund 6.500 Reifen im Gepäck - im Vorjahr kam der Sieger mit 86 Pneus aus.



Der "Circuit de la Sarthe" - eine Rennstrecke wie keine andere
Der nur einmal im Jahr benutzte Straßenkurs im westfranzösischen Departement Sarthe stellt Rennteams und Reifenhersteller vor einzigartige Herausforderungen. Da ist zunächst die außergewöhnliche Rundenlänge von 13,629 Kilometern, die bei unklaren Wetterverhältnissen die Reifenwahl erschwert. Nicht selten ist es beispielsweise bei Start und Ziel noch trocken, während es im hinteren Teil mit der Mulsanne-Geraden kräftig regnet.

Ein wichtiges Thema sind die mehrfach wechselnden Straßenbeläge im Lauf einer Runde. Rund 85 Prozent des Kurses dienen das Jahr über als öffentliche Landstraßen. Deren Asphalt bietet nur mittelmäßigen Grip, vor allem auf der Hunaudières-Geraden mit ihrem Uralt-Belag. Zwischen Mulsanne und Arnage sowie im Abschnitt Tertre Rouge wurde die Strecke dagegen neu asphaltiert. Die Fahrbahn des permanenten "Bugatti Circuit" - also von der Ford-Schikane bis vor Tertre Rouge - schließlich besteht aus griffigem und verschleißintensivem Rennstreckenasphalt. Wegen der Länge einer Runde dauert es zudem deutlich länger als auf "normalen" Pisten, bis sich durch Gummiabrieb eine Linie mit gutem Grip bildet.

Charakteristisch für Le Mans sind die hohen Geschwindigkeiten: Der beste Qualifying-Schnitt liegt bei fast 250 km/h, viermal pro Runde erreichen die LMP1-Fahrzeuge Topspeeds von über 300 km/h. Diese Geschwindigkeiten in Verbindung mit dem hohen Anpressdruck der modernen Prototypen verlangen nach sehr stabilen Karkass-Konstruktionen.

Die Lauffläche der Rennreifen wird durch Unmengen an Steinen und Kohlefasersplittern malträtiert, die im Lauf der 24 Stunden aus den Kiesbetten oder durch kleinere Kollisionen unvermeidlich auf die Piste geraten. Setzen sich diese Fremdkörper in die rund 100°C heiße Lauffläche, kann das Schäden bis hin zum Reifenplatzer nach sich ziehen. Michelin beobachtet diese Gefahr extrem aufmerksam. Die Marke stattet die gesamten Top-Teams aus - und diese müssen naturgemäß am häufigsten die saubere Ideallinie verlassen, um langsamere Teilnehmer zu überrunden. Einige Partnerteams verwenden Reifendruck-Kontrollsysteme, die über Sensoren in den Rädern jeden Druckverlust in Echtzeit an die Boxencrew und an den Piloten melden.


Schwarz(es) Gold: Michelin gewinnt aus jedem Renneinsatz seiner Partnerteams - wie hier in der Le Mans-Series - neue Erkenntnisse.



Michelin bei den 24 Stunden von Le Mans - Zahlenspiele
25 Prozent weniger Reifen benutzten die Partnerteams 2009 gegenüber 2006.

3 Mal so lange würden die heutigen Le-Mans-Pneus - verglichen mit Reifen des Jahrgangs 1998 - auf demselben Auto durchhalten.

35 Prozent verlängerte Michelin die reale Laufleistung der Rennreifen innerhalb der vergangenen zehn Jahre - und das bei rund zehn Prozent höherer Durchschnittsgeschwindigkeit.

86 Reifen verbrauchte der siegreiche Peugeot 908 HDI FAP während der 24 Stunden 2009.

5 Stints auf demselben Reifensatz - also fast vier Stunden im Renntempo - absolvierte der LMP1-Courage-Judd von Signature im Rennen 2009.

1.231 Kilometer fuhr ein LMGT1-Bolide 2008 auf denselben Michelin Regenreifen.

6.500 Schläge und Verformungen steckt die Seitenwand der Reifen in Le Mans Runde für Runde weg.

3,5 g betragen die Fliehkräfte in den Porsche-Kurven.

12 Kilogramm wiegt ein LMP1-Hinterreifen ohne Felge.

120 Mal das eigene Gewicht kann ein Langstreckenreifen von Michelin tragen. Wollte ein 74 Kilo schwerer Mensch dasselbe schaffen, müsste er neun Tonnen stemmen.

150 Komponenten fließen in den Bau eines Rennreifens ein.

183 Liter Wasser kann ein Regenreifen bei einem Tempo von 250 km/h pro Sekunde verdrängen.

40 Minuten reichten dem siegreichen Peugeot-Team 2009 für sämtliche Boxenstopps - genau genommen 40.02,623 Minuten.

34 von 55 gemeldeten Fahrzeugen setzen bei den 24 Stunden von Le Mans 2010 auf Michelin - darunter die LMP1-Werksteams von Peugeot, Audi und Aston Martin.
10.06.2010
 
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